Der Kaiser Dom zu Speyer

Speyer

 

In Speyer steht die größte romanische Kirche der Welt, der Speyerer Dom. Ein seltsamer Umstand für einen Ort, der zum Zeitpunkt des Dombaus ein scheinbar unbedeutendes Dorf mit gerade einmal 500 Einwohnern war.

 

Wie kam es dazu?

 

Konrad II

Kaiser Konrad II war der erste Salier auf dem Thron des deutschen Königs und römisch-deutschen Kaisers. Da seine Wahl zum König und Kaiser nicht ohne Widerstand verlief, stützte er sich zur Verbreiterung seiner Machtbasis, wie so mancher Kaiser vor und nach ihm, auf den Klerus und die freien Reichsstädte. Das deutsche Reich war ja kein Nationalstaat wie Frankreich, sondern ein eher lockeres Bündnis deutscher und italienischer Fürsten.

Der romanische Kaiser Dom zu Speyer, Detail aus der Nordfassade
Der Kaiser Dom zu Speyer, Blick durch das Kirchenschiff zum Chor

So mochte auch der größte Kirchenbau nördlich der Alpen zur Festigung seiner Macht beitragen. Warum er sich ausgerechnet Speyer aussuchte, bleibt bis heute ungeklärt. Speyer war immerhin bereits seit dem 4. Jahrhundert Bischofssitz und insoweit doch viel mehr als nur ein unbedeutendes Dorf.

Der Ostchor des Kaiserdoms zu Speyer mit den Doppeltürmen

Um das Jahr 1030 legte der Kaiser selbst den Grundstein zu diesem imposanten Kirchenbau. Seine Fertigstellung sollten weder er noch sein Sohn erleben. Erst im Jahre 1061 konnte der Dom geweiht werden. Noch während des Baus ließ Kaiser Heinrich IV. den Dom zur Hälfte wieder einreißen, um ihn danach noch größer wieder aufzubauen.

 

Blick ins Innere des Kaisertum zu Speyer

Die ursprünglich geplante und bereits realisierte flache Holzdecke wurde auch wieder eingerissen und machte einem überwölbten Dach Platz, der mit Abstand größten Überwölbung der damaligen Zeit. Manche statischen und bautechnischen Probleme mußten dazu gelöst werden, denn das Wissen der römischen Zeit war längst verloren gegangen.

Haupteingang des Kaisertum zu Speyer, romanische Bögen
Blick von außen auf den Haupteingang des Speyerer Doms

In der Folge entwickelte sich der Dom wahrlich zum Kaiserdom, für viele Kaiser wurde er zur letzten Ruhestätte.

Die Statue eines der vielen Kaiser, die im Dom zu Speyer begraben sind
Blick auf den Speyerer Dom mit dem Ostchor

 

Bis zum pfälzischen Erbfolgekrieg blieb der Dom unangetastet, während sich das kleine Speyer allmählich entwickelte. Vor den heranrückenden französischen Truppen versuchten Speyerer Bürger ihren Hausrat in Sicherheit zu bringen und verbrachten ihre Wertgegenstände in den Dom. Doch die französischen Truppen brachen den Dom auf und steckten den hochaufgerichteten Hausrat in Brand. Durch die enorme Hitzeentwicklung stürzte der Westteil des Gewölbes ein. Erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ging man an den Wiederaufbau des Speyerer Doms.

Das Rosettenfenster oberhalb des Haupteingangs des Kaiserdoms zu Speyer

 

Die Wirren der französischen Revolution griffen auch auf Speyer über, das durch den Vertrag von Lunevillè in französischen Besitz geraten war. 1806 zerstörten randalierende Bürger die Altäre, der Dom sollte abgerissen werden und als Steinlieferant dienen. Der Bischof von Mainz, das ebenfalls in französichem Besitz war, konnte dies gerade noch verhindern. Napoleonische Truppen missbrauchten den Dom als Heulager und Viehstall.

Blick vom Altarraum in den Speyerer Dom

Eines der Bilder im Nazarenerstil im Hauptschiff des Kaiserdoms von Speyer

Nach dem Ende der napoleonischen Kriege kam die gesamte linksrheinische Pfalz an Bayern. Der bayerische König ließ den Dom sanieren und erneut weihen. Ihm ist auch ein Stilbruch zu verdanken, auf den man gut hätte verzichten können. Riesige Bilder an den Innenwänden im so genannten Nazarener Stil, die den Charakter dieses großartigen romanischen Doms nicht gerecht werden.

Ein weiteres unpassendes Bild im Nazarener Stil im Hauptschiff des Kaiserdoms zu Speyer

Seit 1996 ist man erneut dabei, den Dom zu restaurieren. Hoffentlich gelingt es, diesem Bauwerk und seiner Entstehungszeit gerecht zu werden.

Blick in die Vorhalle des Haupteingangs des Speyerer Doms
Historische Bibel während einer Ausstellung im Ostchor des Speyerer Doms
Blick in den Ostchor des Speyerer Doms, der dem Publikum normalerweise nicht zugänglich ist

Im August 2007 fand eine Austellung im Chor des Speyrer Doms statt, so bot sich auch die seltene Gelegenheit, diesen Bereich zu besichtigen.

Der Haupteingang des Speyerer Doms von innen gesehen
Die West Fassade des Speyerer Kaiserdoms mit dem Haupteingang und dem berühmten Rosetten Fenster
Die imposante West Fassade des Kaiserdoms zu Speyer von der Stadt aus gesehen